Wisent-Verein appelliert an Osterspaziergänger

Bitte Abstand halten! | Könige der Wälder sind keine Streicheltiere

Bad Berleburg, 17. April 2019. „Wisente sind friedliebend – aber es bleiben Wildtiere. Begegnen Sie den Königen der Wälder deshalb bitte mit Respekt“, appelliert Kaja Heising, Wissenschaftliche Koordinatorin des Wisentartenschutzprojektes im Rothaargebirge, an Osterspaziergänger: „Es liegt in erster Linie an den Menschen, mögliche Konfliktsituationen mit frei lebenden Wisenten zu vermeiden oder zu verhindern.“

Die Meteorologen sagen es voraus: Das Osterwetter soll schön werden. Dann zieht es zahlreiche Menschen in die Natur und insbesondere in die Wälder und auf die Wanderwege. Dort kann es dann auch passieren, dass sie freilebenden Wisenten begegnen. Denn seit ziemlich genau sechs Jahren lebt eine etwa 20-köpfige Wisent-Gruppe frei im Rothaargebirge. Aber: Wisente sind keine Streicheltiere.

Normalerweise haben Wisente kein Interesse an Menschen und halten Abstand zu den Zweibeinern. Das sollten umgekehrt auch die Menschen tun. „Wer sich dennoch den Wisenten nähert, um Fotos oder Selfies mit den Tieren zu machen, wer sie mit Futter lockt oder sie in die Enge drängt oder ihnen Rückzugswege abschneidet, setzt sich und die Tiere möglichen Risiken aus“, betont Kaja Heising.

In der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass sich Menschen so nah wie möglich an Wisente angepirscht haben. Das schadet auch dem Artenschutzprojekt zur Wiederansiedlung der Wisente, weil die Tiere so ihre natürliche Fluchtauslösedistanz und die Scheu vor Menschen verlieren können.

Außerdem ist es möglich, dass Wisentkühe im jetzt beginnenden Frühjahr schon Kälbchen bekommen und diese schützen und verteidigen. Das ist bei anderen Wildtieren – z. B. Wildschweinen – nicht anders. Neben dem Einhalten eines gebührenden Abstandes ist deshalb zu beachten: Hunde in jedem Falle vorschriftsmäßig anleinen und im Konfliktfall ableinen und keine hektischen Bewegungen vollführen.
Dazu passt, dass gerade das österreichische Tourismusministerium ähnliche Regeln für Wanderer im Umgang mit Almvieh veröffentlicht hat. Anlass war eine tödliche Kuhattacke auf eine Frau, die ihren Hund mitgeführt hatte. Auch wenn es im Rothaargebirge keine schweren Unfälle mit Wisenten gegeben hat, gilt für Wisente grundsätzlich das Gleiche: Detaillierte Verhaltensregeln gibt es u.a. auf der Internetseite des Wisent-Vereins unter https://www.wisent-welt.de/verhaltensregeln-im-wald/

Außerdem – und das ist die rechtliche Seite – ist es aus arten- und naturschutzrechtlichen Gründen verboten, Wildtieren wie Wisente absichtlich aufzusuchen, ihnen nachzustellen oder sie zu füttern. Das kann mit empfindlichen Ordnungsgeldern belegt werden.

Der Wisent-Verein freut sich über das Interesse an der gefährdeten Tierart. Dafür hat er eigens ein Besucherareal – die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ – eingerichtet. Dort können Besucher die Tiere aus der Nähe und völlig risikolos betrachten und das Ganze mit einer Wanderung durch das naturbelassene Areal und einem Besuch in der „Wisent-Hütte“ kombinieren.