Der Beitrag des Wisents für das Ökosystem

Die ökologische Rolle der Wisente in freier Natur, warum man sie braucht, und man über sie wissen sollte. Eine zusammenfassende Bestandsaufnahme

  • Die Reproduktion und der Gesundheitsstatus der Wisente zeigen, dass sich die Tiere wieder sehr gut im Rothaargebirge eingefügt haben. Im Ökosystem spielt der Wisent eine Rolle, die während seiner Abwesenheit durch keinen anderen großen Pflanzenfresser ersetzt werden konnte. Mit ihrem Fress-, Sozial- und Wanderverhalten tragen Wisente zu einer reicheren Biodiversität bei. Je diverser die Artenvielfalt, desto intakter das Ökosystem.
  • Wisente bereichern ihre Umwelt durch verschiedene Aspekte. Durch das Wälzen an denselben Stellen kreieren sie beispielsweise Mikro-Lebensräume für Pionierpflanzen, Laufkäfer, Brutplätze für verschiedene Wespenarten und Wärmequellen für Libellen, Schmetterlinge und Reptilien. So entsteht ein gedeckter Tisch für kleine Raubtiere, Vögel oder Fledermäuse, die sich wiederum von diesen kleineren Tieren ernähren.
  • Über sein Fell trägt der Wisent Saat mit sich, wodurch sich die Pflanzenwelt vermehrt und ausbreitet.
  • Selbst der Dung des Wisents ist eine Bereicherung, da ein großer nasser Fladen besonders attraktiv für Mistkäfer ist, die sich von diesem ernähren und ihre Eier in die Haufen legen, um sich dort als Larven zu entwickeln. Diese bieten ebenfalls eine Nahrungsquelle für Insektenfresser wie Vögel, Dachse, Fledermäuse. Von Pilzen, die bevorzugt auf Dung wachsen, ganz zu schweigen. Und das sind nur ein paar Beispiele…
  • Wenn Wisente an Bachläufen trinken, so hinterlassen sie am weichen Untergrund am Ufer Trittspuren. Diese können als geeignete Brutstätte z.B. für Kröten dienen, die in die kleinen nassen Kuhlen laichen. Vögel und Eichhörnchen sammeln das Winterfell der Wisente, um ihre Nester und Kobel zu bauen. Die warme weiche Wolle schützt besonders gut vor Kälte.
  • Als Äser fressen Wisente nicht nur Gras, sondern auch Laub, Waldfrüchte oder Rinde. Rinderartige wie der Wisent benötigen faserreiche Nahrung. Diese Struktur ist in Rinde zu finden. Das ist keine Besonderheit. Dass den Wisenten im Rothaargebirge angeblich Nährstoffe fehlen könnten, ist eine von vielen Hypothesen, die wiederlegt wurde. Wir arbeiten mit Universitäten und Studierenden zusammen, um kontinuierlich Informationen zu dem Thema zu erheben.
  • Wenn man von Schälschäden an Bäumen spricht, muss klar zwischen wirtschaftlichen Schäden und biologischem Einfluss unterschieden werden. Aus biologischer Sicht kann man nicht von Schälschäden sprechen. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass es keinen Anlass zur Annahme gibt, dass der Wald als Ökosystem gefährdet sei. Vielmehr kann selbst eine Verjüngung der Buche, also das selbständige Nachwachsen junger Bäume, festgestellt werden. Die Vitalität der Bäume ist lediglich teilweise und an Hotspots beeinträchtigt. Allerdings wird mit den geschälten Stücken wiederum neuer Lebensraum geschaffen. Aus biologischer Sicht ist dies demnach selbst eine Bereicherung.