Erfolgreiche Familienzusammenführung

Das sechsmonatige Kalb Quelle ist in die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ umgezogen

Zusammentreffen der kleinen Quelle mit ihrer neuen Herde in der „Wisent-Wildnis“

Bad Berleburg, 8. Juni 2012. Wisent-Kalb Quelle ist umgezogen. Das Nesthäkchen der Bad Berleburger Wisente ist damit bei bester Gesundheit in den Schoß ihrer tierischen Familie zurückgekehrt. In ihrem neuen Zuhause, der „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ komplettiert sie die nunmehr fünfköpfige Gruppe der sanften Riesen.

Quelle wurde am 7. Dezember vergangenen Jahres von Gutelaune bei ungemütlichen Minusgraden sowie Eis und Schnee geboren. Ohne menschliche Hilfe hätte sie unter diesen widrigen Bedingungen nicht überleben können – vor allem weil Mutter Gutelaune keine Milch geben kann. Der Trägerverein hatte sich deshalb entschlossen, Quelle von der Wisent-Gruppe zu trennen und sie im ersten Schritt zu retten und anschließend fachkundig auf ein selbstständiges Leben in der „Wisent-Wildnis“ vorzubereiten.

Am Freitag, 8. Juni – einen Tag nach ihrem ersten halben Geburtstag – ­präsentierte sich Quelle dann gutgelaunt und munter der Medienöffentlichkeit. So viel Publikum war für die junge Dame freilich neu. Denn sie wurde ihre ersten sechs Lebensmonate von Wisent-Ranger Jochen Born und dessen ­Familie im Stall aufgezogen. Inzwischen ist Quelle rund einen Meter hoch und 110 Kilogramm schwer. Als sie auf die Welt kam, wog sie gerademal knapp 20 Kilogramm.

Quelle lernt jetzt, dass sie ein Wisent ist

Der erste Vorsitzende des Trägervereins „Wisent-Welt-Wittgenstein“, Bernd Fuhrmann, lobte deshalb bei Quelles erstem größeren öffentlichen Auftritt insbesondere das Engagement von Wisent-Ranger Jochen Born. „Es verdient eine außerordentliche Anerkennung, wie unser Wisent-Ranger und seine ­Familie sich Tag und Nacht um Quelle gekümmert haben. Ich weiß aus ­eigener Anschauung, wie wohl sich Quelle in ihrer Pflegefamilie gefühlt hat – und auch wie schwer es sowohl Quelle als auch Jochen Born jetzt gefallen ist, nun in eine neue Umgebung umzuziehen. Das sieht man insbesondere daran, wie positiv und zugewandt Quelle auf unseren Wisent-Ranger reagiert, wenn er in die „Wildnis“ kommt.“

Jochen Born kommentiert die neue Situation so: „Quelle weiß noch nicht so richtig, dass sie ein Wisent ist.“ Dennoch ist sie von Gutelaune, Horno, Fasel und Faye gleich in den Familienverbund aufgenommen worden. Nun muss sie sich immer mehr von der Menschenfamilie entwöhnen und den engen Schulterschluss mit der Gruppe finden. „Ganz entscheidend ist, dass die Herde keine Aggressionen gegen Quelle zeigt und sie als junges Herdenmitglied akzeptiert“, berichtet Jochen Born. Und dies ist der Fall. ­Freilich muss Quelle jetzt noch nach und nach ihre Prägung durch die menschliche ­Pflegefamilie ablegen und das tun, was ein Wisent in der Wildnis eben so tut.

„Wir haben Quelle jetzt in die Wildnis gebracht, damit die Prägephase durch ­Menschen so kurz wie möglich bleibt“, sagt Wisent-Ranger Jochen Born. Quelle war in der vergangenen Woche unter Aufsicht des Kreisveterinärs Dr. Wilhelm Pelger artgerecht in einem Tiertransporter in ein abgetrenntes Gehege in der „Wildnis“ gebracht worden. Dort wurde sie rund eine Woche an die neue Freiheit gewöhnt, ehe sie am Montag dieser Woche dann endlich zu ihrer Wisent-Familie stoßen konnte. Bis zur ­Eröffnung der „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ kann sich die Herde nun zusammenfinden und aneinander gewöhnen. Die Eröffnung ist für den Spätsommer geplant.