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„Mindestens 50 Meter Abstand!“

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Wisent-Verein appelliert an Schaulustige, Respekt vor den Wildtieren zu zeigen

Bad Berleburg, 20. Dezember 2017. Nachdem der Wisent-Verein von der leichten Kollision eines Wisents mit einem Pkw am Montagabend erfahren hatte, hat er unverzüglich Kontakt mit dem Fahrer des Fahrzeugs aufgenommen. „Wir sind erleichtert, dass es zu keinen Verletzungen und größeren Schäden gekommen ist“, sagt Klaus Brenner vom Wisent-Vorstand. Der Wisent-Vorstand hat Kontakt mit seinem Versicherungsunternehmen aufgenommen und den Schaden gemeldet. Der Verein hat entsprechend des öffentlich-rechtlichen Vertrags seinerzeit eine Versicherung als Tierhalter abgeschlossen. Unabhängig davon ist der Verein heute der Auffassung, dass es sich bei den freilebenden Wisenten inzwischen um herrenlose Tiere handelt. Dieser Punkt ist jedoch rechtlich noch nicht abschließend geklärt. Der Streit beschäftigt derzeit den Bundesgerichtshof. Freilebende Wisente sind in Westeuropa einzigartig.

In den vergangenen Tagen haben sich die frei lebenden Wisente wiederholt im Bereich „Auf der Almert“ in Schmallenberg aufgehalten. Dort hat der Wisent-Verein beobachtet, dass Besucher, Wanderer und Schaulustige ein Verhalten an den Tag legen, dass Wildtieren gegenüber höchst unangemessen ist und dem Projekt insgesamt Schaden kann.

So halten Menschen keinen Abstand zu den Wisenten, versuchen sie mit mitgebrachtem Futter zu locken und beunruhigen die grundsätzlich scheuen Tiere durch ihre zahlreichen Annäherungsversuche. Der Wisent-Verein appelliert deshalb an die Besucher, Respekt gegenüber den Wisenten zu zeigen. Auch ist es verantwortungslos, das Privatgelände der Landwirte ohne Befugnis zu betreten. „Wir sind der festen Überzeugung, dass auch große Wildtiere wie der Wisent, ihren Platz in unserer Landschaft haben. Dazu gehören aber - im Straßenverkehr wie in anderen Situationen auch - eine entsprechende Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, die Eigenheiten der Tiere zu akzeptieren. Dann kann das Miteinander von Wisent und Mensch gelingen“, sagt Klaus Brenner. Wisente sind eine Bereicherung für die Natur, ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz und ein ganz wesentlicher touristischer Faktor für die Region.

Der Wisent-Verein möchte in Kürze im Bereich „Auf der Almert“ Infoschilder anbringen, die ausdrücklich darauf hinweisen: „Mindestens 50 Meter Abstand.“ Dabei hofft der Verein auf die unbürokratische Mithilfe aller Beteiligten und natürlich die Genehmigung der Grundeigentümer.

Kaja Heising, die Wissenschaftliche Koordinatorin des Wisent-Projektes unterstreicht: „Wisente sind Wildtiere. Jedem Wildtier sollte mit gebührendem Respekt begegnet werden. Genauso wenig, wie man sich einer Rotte Wildschweine nähern würde, sollte man einen Mindestabstand von 50 Metern zu den Wisenten einhalten.“

Die Wissenschaftlerin erklärt: „Wisente sind Fluchttiere. Sie zeigen aber ein anderes Fluchtverhalten, als das was wir von z.B. Rehen gewöhnt sind. Auf Grund seiner Körpermasse, ist es für den Wisent zu energieaufwendig, bei jedem Anzeichen für Gefahr sofort die Flucht zu ergreifen. Darum wägen Wisente bei Störungen erst ab, ob sie vor einer potenziellen Gefahrenquelle ausweichen müssen. Dazu stellt sich die Herde in einer so genannten Wagenburg auf: Dabei rücken die Tiere eng zusammen: Die Kleinen und Schwachen kommen in die Mitte oder nach hinten, während die Stärkeren außen oder vorne stehen, um ankommende Gefahren gegebenenfalls abwehren zu können. Wegen dieses natürlichen Verhaltens wird der Wisent fälschlicherweise oft als nicht scheu eingeschätzt. Wenn aber sogar diese selbst gebaute Schutzmauer nicht hilft, dann flieht auch ein Wisent trotz seines schweren Gewichtes.“