Neue Perspektiven für den Artenschutz in Deutschland

Wiederansiedlung der Wisente im Rothaargebirge und die wissenschaftliche Begleitforschung werden jetzt erstmals in einer BfN-Publikation dargelegt

Bonn/Bad Berleburg, 31. Januar 2014. Seit knapp einem Jahr gibt es in Westeuropa wieder frei lebende Wisente: in und um Bad Berleburg am Rothaarsteig. Jetzt liegt erstmals eine umfassende Dokumentation des Projektes für die interessierte Öffentlichkeit vor. „Wisente im Rothaargebirge“ heißt das Buch, das dieser Tage in der Schriftenreihe des Bundesamtes für Naturschutz erschienen und ab sofort erhältlich ist.

Die Veröffentlichung bietet einen bis dahin nicht bekannten detaillierten Einblick in das außergewöhnliche Wisent-Projekt. Es zeichnet den Weg von der Idee über die Machbarkeitsstudie und die Ankunft der ersten Wisente in Bad Berleburg bis hin zur ihrer Freisetzung nach. Herausgegeben ist es von Dr. Jörg Tillmann, der das Wisent-Projekt bis 2013 wissenschaftlich leitete, sowie von Dr. Peter Finck und Dr. Uwe Riecken vom Bundesamt für Naturschutz. Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und dem Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Die Phase bis zur Freisetzung der ersten Wisente im April 2013 ist von der Wissenschaft im Projekt umfassend begleitet worden. Und auch weiterhin wird das Artenschutzprojekt von Forschern flankiert und bewertet, um das Verhalten der Wisente in Freiheit zu erfassen. Die Methodik und Ergebnisse der umfassenden und hochwertigen wissenschaftlichen Arbeit spiegeln sich ausführlich im Buch wider. Die beteiligten Wissenschaftler berichten dort eingehend aus ihren Arbeitsgebieten.

So finden sich in dem Buch alle relevanten Themen: Sie reichen von der Familien- und Herdenstruktur der Wisente und der Debatte über einen eventuellen virtuellen Zaun über die Nahrungsanalyse und Raumnutzung der Wisente bis hin zu Untersuchungen, die den Einfluss der mächtigen Tiere auf ihre Umwelt zeigen. Thematisiert werden ebenso die Auswirkungen auf die Forstökonomie, das Management und die Lenkung der Tiere im Raum sowie die Akzeptanzentwicklung in der Bevölkerung und die Praxis der Öffentlichkeitsarbeit. Anschauliche Grafiken, eindrucksvolles Bildmaterial sowie verständlich aufbereitete Datensammlungen sind sowohl für Experten als auch interessierte Laien eine Fundgrube.

Zu den Perspektiven des einzigartigen Artenschutzprojektes schriebt Jörg Tillmann in dem Band: „Das Projekt im Rothaargebirge,…, hat einen herausragenden naturschutzfachlichen Wert.“ Die Etablierung der Wisent-Gruppe im Rothaargebirge ist aber zugleich auch von grundsätzlichere Bedeutung: „Dieses neue Modell einer Koexistenz von einer Großsäugerart und dem Menschen und seinen Landnutzungsansprüchen ist artenschutzstrategisch von herausragender Bedeutung und öffnet eine neue Perspektive, eine neue Herangehensweise im Großsäugerschutz in Deutschland“, so Tillmann weiter.

Das Wisent-Projekt fördert darüber hinaus aus auch die Entwicklung des Naturtourismus im Rothaargebirge. Die Wisente sind inzwischen erfolgreich zu einem Markenzeichen der Region entwickelt worden.

Die Publikation ist im Buchhandel erhältlich und kann beim BfN auch direkt online bestellt werden.

Die genauen Daten lauten:

Wisente im Rothaargebirge
Naturschutz und Biologische Vielfalt, Heft 133
Bundesamt für Naturschutz, Bonn-Bad Godesberg 2013
Jörg E. Tillmann, Peter Finck und Uwe Ricken (Hrsg.)
235 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 978-3-7843-4033-3