Premiere in der „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“

Neues Kalb geboren/Erstmals können Besucher das Aufwachsen eines Jungtiers erleben

Bad Berleburg, 25. Mai 2014. Die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ meldet tierischen Zuwachs. Denn die Wisent-Gruppe ist auf jetzt acht Tiere angewachsen. Am Samstag entdeckten dort die ersten Gäste ein auf staksigen Beinen daherkommendes Nesthäkchen. Besonders spannend für Besucher: Erstmals können sie jetzt direkt und live erleben, wie ein Wisent-Kalb aufwächst und sich entwickelt.

Das am Samstagmorgen geborene Tier ist zwar bereits das dritte Kälbchen in der „Wisent-Wildnis“. Aber dennoch gibt es eine Premiere. Denn die beiden bisher in der „Wildnis“ geborenen männlichen Kälbchen Quattro (Geburtsdatum: 16.09.2012) und Quick (16.07.2013) stammen alle von Leitkuh „Gutelaune“ ab. Sie mussten allerdings unmittelbar nach der Geburt aus dem Areal herausgenommen und von Wisent-Ranger Jochen Born über viele Wochen hinweg in seinem Stall mit der Flasche aufgezogen werden, weil Mutter Gutelaune keine Milch gibt.

Das ist diesmal anders: Das Jungtier wird in der „Wisent-Wildnis“ im tierischen Familienverbund bleiben. Ob es sich um ein weibliches oder männliches Kalb handelt, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Die Identität der Mutter ist aber eindeutig geklärt: nämlich Fasel. Fasel kam zusammen mit Wisent-Kameradin Faye ursprünglich aus Hanau aus dem Tierpark Alte Fasanerie in die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ und ist Jahrgang 2009. Das neue Kälbchen ist ihr erster Nachwuchs.

Für die Besucher ist das eine besondere Attraktion. Denn Wisente gab es in Deutschland bis dahin nur in Zoos und Gehegen. Die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ in Bad Berleburg ist deshalb etwas ganz anderes – und damit einzigartig in Deutschland. Denn dort leben die faszinierenden Riesen auf 20 Hektar in ihrer natürlichen und weitgehend naturbelassenen Umgebung: ein Ereignis für die ganze Familie. Im Sommer 2014 kommt ein weiteres Erlebnis hinzu: Denn dann ist die Eröffnung der Wisent-Hütte mit einem attraktiven gastronomischen Angebot geplant.

Wisent-Ranger Jochen Born hat die Herde praktisch jeden Tag im Blick. Er berichtet: „Fasel hatte sich schon seit Donnerstag etwas von der Gruppe abgesondert und einen Rückzugsort für die Geburt gesucht. Am Samstag hat sie sich dann mit ihrem Kalb erst einige hundert Meter von der Herde entfernt aufgehalten, um dann allmählich das Jungtier mit der Familie bekannt zu machen.“ Jochen Born weiß auch: „Das Kälbchen saugt, das ist ein gutes Zeichen. Mutter und Kind sind wohl auf, es sieht alles sehr positiv aus.“

Noch hat das Tier keinen Namen. In einem internationalen Zuchtbuch, das in Polen geführt wird, sind alle Mitglieder der vom Aussterben bedrohten Art gelistet. Für die in Wittgenstein geborenen Könige der Wälder gilt die Regel: Ihre Namen müssen alle mit „Qu“ beginnen. In den vergangenen Jahren hatte der Wisent-Trägerverein mehrfach dazu aufgerufen, Namensvorschläge für die Kleinsten der größten Landsäugetiere Europas einzureichen. Die Resonanz war enorm. Deshalb liegen dem Verein nun immer noch zahlreiche kreative Namensideen vor. Aus diesem reichhaltigen Fundus wird deshalb auch der Name für das neue Kälbchen entstammen.

Die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ bietet u. a. mit einem rund drei Kilometer langen Wanderweg ein einzigartige Tiererlebnis und einen außergewöhnlichen Naturgenuss. Zudem gibt es dort mittlerweile eine Reihe von besonderen Veranstaltungen. Dazu zählen unter anderem Abend- und Vollmondwanderungen, Single- und Krimiabende oder auch Frühwanderungen. Und in den kommenden Sommerferien gibt es speziell für Kinder unterschiedlicher Altersstufen besondere Events gegen die Langeweile. Seit der Eröffnung der „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ im September 2012 wurden bis heute insgesamt rund 55.000 Gäste gezählt.

Die „Wisent-Wildnis“ ist aus einem für Westeuropa einzigartigen Artenschutzprojekt zur Erhaltung der Könige der Wälder entstanden. Denn seit April 2013 lebt eine Herde Wisente frei in den Wittgensteiner Wäldern. Da sich die Tiere aber in dem riesigen Areal meist den Blicken der Wanderer entziehen, wurde die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“ geschaffen. Sie fungiert als „Guckloch“ in das Artenschutzprojekt und ermöglicht es Tier- und Naturfreunden, die vom Aussterben bedrohten Wisente in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben.