Weg für Freisetzung der Wisente im Rothaargebirge geebnet

Öffentlich-rechtlicher Vertrag im Schloss Berleburg unterzeichnet

Der Vertrag ist unterzeichnet – die Wisente stehen kurz vor ihrer Entlassung in die Freiheit

Bad Berleburg, 8. April 2013. Der Weg für die Freisetzung der Wisente am kommenden Donnerstag (11. April 2013) im Rothaargebirge im Wittgensteiner Land ist geebnet! Grundlage dafür ist ein Öffentlich-rechtlicher Vertrag zwischen dem Kreis Siegen-Wittgenstein, der Bezirksregierung Arnsberg, dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW, dem Trägerverein Wisent-Welt-Wittgenstein und der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer. Dieser Vertrag wurde jetzt im Schloss Berleburg unterzeichnet.

Neben Landrat Paul Breuer haben Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes, Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, Heinrich Barkmeyer, stv. Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW, sowie Bürgermeister Bernd Fuhrmann, Forstdirektor Johannes Röhl (Rentkammer) und Edgar Reisinger (Taurus Naturentwicklung) für den Trägerverein Wisent-Welt-Wittgenstein und Kreisdirektor Frank Bender ihre Unterschrift unter den Vertrag gesetzt.

Gleichzeitig erklärten die benachbarten Kreise Olpe und Hochsauerland per Unterschrift ihre Unterstützung für die Vertragspartner bei der Umsetzung der vereinbarten Regelungen, soweit sie die jeweiligen Kreise betreffen. „Freilaufende Wisente sind einmalig in Mitteleuropa. Ohne das Engagement und die gelebte Verantwortung von privaten Waldbesitzern für die Umwelt und die Natur ließe sich der Artenschutz in Nordrhein-Westfalen nicht verwirklichen“. lobte Minister Remmel das Projekt.

Landrat Paul Breuer warf einen Blick zurück und freut sich auf die nun kommende Phase des Projektes: „Vor 10 Jahren haben wir uns erstmals mit der Idee der Wiederansiedlung von Wisenten in Westeuropa beschäftigt. Jetzt steht die Freisetzung der ersten acht Tiere im Rothaargebirge unmittelbar bevor“. freut sich Breuer. Er dankte allen Partnern, die im vergangenen Jahrzehnt konstruktiv daran mitgearbeitet haben, dieses Ziel zu erreichen. „Jetzt beginnt die Laborphase im Freien. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich das größte Landsäugetier Europas seinen Platz in unserer Natur- und Tierlandschaft neu erschließt“. so Breuer.

Der jetzt geschlossene Vertrag löst den am 25. Juni 2008 unterzeichneten Vertrag „Wisente im Rothaargebirge“ ab. In der neuen Vereinbarung erklären der Projektträger, also der Trägerverein Wisent-Welt-Wittgenstein, die Wittgenstein-Berleburg‘sche Rentkammer und der Kreis Siegen-Wittgenstein weiter das Ziel einer dauerhaften Etablierung einer frei lebenden Wisentherde im Rothaargebirge von maximal 25 Tieren zu verfolgen.

„Vor 10 Jahren hatte ich die Idee von freilebenden Wisenten im bewirtschafteten Wald hier bei uns im Rothaargebirge. Heute machen wir einen bedeutenden Schritt um zu zeigen, dass sich Naturschutz und Bewirtschaftung des Waldes in Mitteleuropa nicht nur nicht ausschließen, sondern auch ergänzen können“. bekräftigt Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Der künftige Lebensraum der Wisente gehört überwiegend zu seinen Ländereien.

„Das ‚Wisent-Projekt‘ ist auch ein ‚Mammut-Projekt‘ – angesichts der vielen beteiligten Behörden, Institutionen, Verbände und Personen. Die Bezirksregierung hat das anspruchsvolle Vorhaben sehr gerne begleitet“. machte Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann deutlich: „Mit dem Öffentlich-rechtlichen Vertrag ist jetzt der Rahmen für die Freisetzung der vom Aussterben bedrohten Wisente gesetzt. Der öffentlichen Sicherheit wird dabei ebenso Rechnung getragen wie dem Natur- und Artenschutz. Ich bin sicher: Die Wisente sind nicht nur eine einmalige Bereicherung des Ökosystems, ihre Freisetzung wird auch die touristische Attraktivität des Rothaargebirges noch weiter erhöhen“. so Bollermann.
Auch der Vorsitzende des Trägervereins, Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann, freut sich, dass die Freisetzung der Wisente nun unmittelbar bevorsteht: „Die Wiederansiedlung der Wisente ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Sie steht nicht nur für einen bedeutenden Beitrag zum Artenschutz und zum Überleben der vom Aussterben bedrohten größten Landsäugetiere Europas, sondern auch für bürgerschaftliches Engagement“. so Fuhrmann: „Denn die Initiative, die Idee und schließlich die Umsetzung kamen von Privatpersonen und aus der Bevölkerung. Damit ist die Wiederansiedlung der Wisente im Rothaargebirge ein besonders gutes Beispiel für Innovationsfähigkeit, die nicht von oben, von der Politik oder Institutionen, gesteuert ist.“ Der erste Vorsitzende unterstrich: „Schon jetzt hat sich die Wiederansiedlung der Wisente auch als Initialzündung für die touristische Weiterentwicklung unserer Region erwiesen.“

Der nächste Schritt auf dem Weg ist die Freisetzung der gegenwärtig acht Wisente aus dem Auswilderungsgehege, die für kommenden Donnerstag, 11. April 2013, vorgesehen ist. Damit befinden sich die Tiere dann in Freiheit, sind aber im juristischen Sinne noch nicht „herrenlos“. weil der Trägerverein nach wie vor Eigentümer der Tiere ist.

In der Freisetzungsphase werden die Tiere veterinärmedizinisch intensiv betreut und ihr Raum-Zeit-Verhalten laufend beobachtet sowie durch ein angepasstes Fütterungs- und Flächenmanagement auch gesteuert. Dabei spielen Aspekte des Natur- und Artenschutzes eine wesentliche Rolle sowie insbesondere die Vermeidung von Gefahren für die öffentliche Sicherheit. Um eine Überwachung der Herde zu gewährleisten, werden die Leitkuh und der erwachsene Bulle mit Telemetriehalsbändern ausgestattet. Für den Fall der Fälle, wenn z.B. wider Erwarten Wildschäden durch die Wisente verursacht werden, haben die Projektträger eine umfangreiche Tierhalter-Haftpflichtversicherung abgeschlossen.
Die Freisetzungsphase der Wisente ist auf mehrere Jahre angelegt. Nach Auswertung der Ergebnisse legen die Vertragsparteien die Rahmenbedingungen fest, unter denen der Projektträger das Eigentum an den Wisenten aufgeben kann und die Tiere dann im Sinne des Zivil- und Jagdrechtes „herrenlos“ werden.

Die Freisetzungsphase wird von einer Koordinierungsgruppe begleitet. Diese besteht aus je einem Vertreter des  Kreises Siegen-Wittgenstein, des Trägervereins Wisent-Welt-Wittgenstein, der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer, von Taurus Naturentwicklung e.V., der Stadt Bad Berleburg, der Kreise Olpe und Hochsauerland, des Waldbauernverbandes NRW, des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, des Trägervereins Rothaarsteig, des ehrenamtlichen Naturschutzes, des Landesbetriebs Wald und Holz, der Regionalforstämter Siegen-Wittgenstein, Kurkölnisches Sauerland und Oberes Sauerland, der Bezirksregierung Arnsberg, des Bundesamtes für Naturschutz, des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung, des örtlichen und regionalen Tourismus, der Kreisjägerschaft, der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein und der Jagdgenossenschaft Schüllar.

Den Vorsitz der Koordinierungsgruppe hat Landrat Paul Breuer inne. Die Koordinierungsgruppe hat das Recht, das Projekt während der Freisetzungsphase jederzeit abzubrechen, wenn aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse oder aus Gründen der öffentlichen Sicherheit eine Weiterführung aus rechtlichen oder praktischen Gründen nicht vertretbar ist.