„Wir sind alle Teil des Kreislaufs der Natur“

Navajo-Indianer und Bison-Schützer besuchte Wisent-Projekt im Rothaargebirge

Gemeinsame Interessen über Grenzen hinweg (v.l.): Navajo Paul Crane Tohlakai, Vorstand Johannes Röhl vom Wisent-Verein und Wisent-Ranger Jochen Born.

Bad Berleburg, 18. Mai 2016. „Wir haben die Bisons, ihr die Wisente. Das verbindet uns.“ Paul Crane Tohlakai hat sich dem Schutz der Wisente, der Natur und der indigenen Völker verschrieben. Am Pfingstmontag stattete der Indianer vom Stamm der Navajo aus dem US-Staat Arizona der Wisent-Welt in Bad Berleburg einen Besuch ab. Er bezeugte seinen großen Respekt und Anerkennung für der Wiederansiedlung der Wisente im Rothaargebirge und unterstrich: „Die Erde gehört nicht den Menschen. Die Menschen gehören zur Erde.

Die Bisons – gleichbedeutend mit den Wisenten in Europa – sind auf das Engste und existenziell mit der Geschichte der Indianer in den USA und Kanada verknüpft. Das Abschlachten von rund 60 Millionen Bisons in den vergangenen 100 Jahren und die Beinahe-Ausrottung zahlreicher indianischer Stämme gingen oft Hand in Hand. „Es gibt starke historische Parallelen zwischen der Geschichte der Indianer und der Bisons“, unterstrich Tohlakai bei seinem Besuch in Bad Berleburg: „Die Bisons sind Teil unserer Geschichte.“

Seit mittlerweile mehr als zehn Jahren kommt der Navajo als Vertreter eingeborener Völker jährlich nach Europa. Dieses Jahr führen in seine Reisen in die Schweiz, nach Frankreich, Belgien, Italien und nach Deutschland – und dort ausschließlich zum Wisent-Projekt nach Bad Berleburg.

Gemeinsam mit Gleichgesinnten hat Paul Crane Tohlakai vor vier Jahren die Organisation „BISON International“ gegründet, deren Sprecher er ist. BISON steht dabei einerseits für das Tier und andererseits aber auch als Abkürzung für die weltweite Unterstützung eingeborener Völker (Being in Support of Natives).

Paul Crane Tohlakai steht für ein sehr spirituelles Verhältnis zur Natur. BISON International versteht er als einen „heilenden Ort“, um die Wunden, die Mutter Erde zugefügt worden sind, zu heilen und um die Völker weltweit zusammenzubringen. Er betont: „Die Zeit ist an uns, den nie endenden Kreislauf des Lebens weiter vorwärts zu gehen.“

Wisent-Ranger Jochen Born und Johannes Röhl, Mitglied des Vorstandes des Wisent-Vereins, brachten Paul Crane Tohlakai das hiesige Projekt zur Wiederansiedlung der größten Landsäugetiere in Europa näher – mit einer ausführlichen Exkursion in die Wälder der Region und in die „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“. Der Navajo war in Begleitung von Yvonne Fabian gekommen, der Ansprechpartnerin für den deutschen Teil von BISON International.

Die Wiederansiedlung der Wisente im Rothaargebirge, erläuterte Johannes Röhl, folge zwar keinen spirituellen Ideen. Vielmehr stünden der ökologische Gedanke und die Artenvielfalt im Vordergrund. „Wir haben aber dieselben Probleme“, erwiderte Paul Crane Tohlakai: Die Zersiedelung nimmt zu, immer mehr Land wird verbaut, die Artenvielfalt geht zurück … Die unterschiedlichen Anstrengungen, die Wildnis zu erhalten, verbinde deshalb beiden Seiten über den Atlantik hinweg. Seine Kernbotschaft lautet daher: „Wir sind alle Teil des Kreislaufs der Natur.“

Ein wichtigstes Anliegen von Paul Crane Tohlakai ist es, unterschiedliche Kulturen zu verbinden und uraltes Wissen über natürliche Zusammenhänge zu vermitteln. Er leistet dies in Form von Trommelworkshops, Vorträgen und natürlichem Pferdetraining. In seiner Heimat ist als spiritueller Ratgeber gefragt – sein Großvater war Heiler – und in zahlreiche internationale Organisationen eingebunden.