„Wir sind Wisent“

Unterstützer formieren sich / Es gibt viele Wandersteige – aber nur einen mit Wisenten

Bad Berleburg, 20. Juni 2016. Holger Saßmannshausen, der Vorsitzende des Jugendfördervereins, brachte die Stimmung gegen Ende der Veranstaltung auf den Punkt: „Wir sind Wisent!“ Mehr als 100 Unterstützer hatten sich spontan im „Sonnenhof“ in Bad Berleburg-Wingeshausen versammelt, um das in Westeuropa einzigartige Projekt zur Wiederansiedlung der Wisente im Rothaargebirge zu unterstützen. Nach einem Zusammenstoß einer Wanderin mit einem Wisent, fordern einige wenige Kritiker den Abbruch der Wiederansiedlung der vom Aussterben bedrohten Wisente.

Holger Saßmannshausen, zugleich Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Sparkasse Wittgenstein, unterstrich: „Ich kenne kein anderes Projekt, das wir gefördert haben, das so viel Nachhaltigkeit für die Region gebracht hat. Das Projekt darf nicht sterben.“ Und Jörg Sonneborn, Leiter des Arbeitskreises Wisente/Touristik beim Dorfverein Aue-Wingeshausen stellte klar: „Wir begleiten das Projekt jetzt seit vier Jahren. Und wir machen das bis zum bitteren Ende!“

Nach dem die Forderungen der Kritiker nach Abbruch des Projektes laut geworden waren, trafen beim Wisent-Verein ungezählte Anrufe und E-Mails von Menschen ein, die unterstützen und helfen wollten. Der Verein entschloss sich deshalb am Donnerstag spontan, Partner, Freunde und Wegbegleiter des Projektes für den darauffolgenden Tag einzuladen. Mehr als 100 Menschen waren gekommen, und der erste Vorsitzende des Trägervereins, Bernd Fuhrmann zeigte sich darüber „überwältigt“.

Zu Beginn der Versammlung berichtete Heike Grebe von ihren Erfahrungen mit den Wisenten. Sie dreht für den WDR eine Langzeitdokumentation und begleitet die frei lebende Wisentherde nun seit rund eineinhalb Jahren. Die Filmemacherin sagte: „Wir sind oft sehr nah dran an den Tieren, sie sind manchmal neugierig, aber sie sind absolut friedlich.“ Neben ihrem ARD-Film, erstellt Heike Grebe zugleich für eine US-amerikanische, britische und kanadische Gemeinschaftsproduktion einen Beitrag über die Wisente im Rothaargebirge. Heike Grebe dazu: „Das Wisent-Projekt hat eine große internationale Aufmerksamkeit.“

Edmund Dornhöfer, Betreiber des Hotels Jagdhof Glashütte, berichtete: „Wir haben viele ausländische Gäste, vor allem aus den Niederlanden und Belgien. Unsere Gäste mögen die Wisente. Dieses Projekt ist für die Region ideal. Es ist ein Stück Natur. Für uns ist es sehr wichtig, dass die Wisente bleiben.“ Und Carolin Brauer, die neue Regionalmanagerin für die Leader-Region Wittgenstein betonte: „Die Region würde das Einzigartige verlieren. Die Wisente sind in der ganzen Bundesrepublik bekannt.“

Johannes Röhl vom Wisentvereins-Vorstand war es wichtig zu betonen: „Wir wollen in keinem Fall Gräben Richtung Hochsauerlandkreis aufmachen. Denn die gesamte Region ist doch gerade dabei, sich als einzigartiger Landschaftsraum zu etablieren.“ Er stellte aber auch klar: „Entweder schaffen wir es, die Wisente frei laufen zu lassen oder das Projekt wird eingestampft. Gatterprojekte gibt es schon genug.“

Der Vorsitzende des Wisent-Vereins und Bürgermeister von Bad Berleburg, Bernd Fuhrmann, machte in einer emotionalen Rede deutlich: Es geht nicht nur um das Artenschutzprojekt, auch das Besucherareal „Wisent-Wildnis“ am Rothaarsteig und die Wisent-Hütte stünden zur Disposition. Denn sie seien eng mit dem Artenschutzprojekt verbunden. Es gehe auch nicht darum, ob nun jenseits oder diesseits des Rothaarsteigs fünf Gäste mehr oder weniger kämen. Bernd Fuhrmann: „Unsere Konkurrenten sind die Eifel und der Schwarzwald. Es gibt mittlerweile viele Steige in Deutschland, aber nur einen mit einem Alleinstellungsmerkmal. Die Wisente sind die Stärke, die wir am Rothaarsteig haben.“

Karsten Wolter vom Verein Markt und Tourismus sagte: „Wir zeigen mit den Wisenten, dass wir nicht nur vom Natur- und Artenschutz reden. So bleiben wir glaubwürdig, wenn wir Artenschutz in Afrika und anderen Regionen der Welt fordern.“ Wolter lobte das Engagement der Menschen, die zur spontanen Versammlung in den „Sonnenhof“ gekommen waren: „Das ist eine Demonstration der Stärke. So eine Machtfülle für das Projekt hat es noch nicht gegeben Das ist erst- und einmalig. Das macht aber auch klar, wie stark das Projekt in der Region verwurzelt ist.“

Und Helmut Keßler, der erste Vorsitzende des Dorfvereins Aue-Wingeshausen fasste zusammen: „Die Menschen stehen auf. Wir wollen dieses Projekt hier zu 100 Prozent. Und schon 3.000 Menschen nach nur zwei Tagen auf der neuen Facebookseite wollen es auch. Wir müssen diesen Gedanken heraustragen und mit den Menschen sprechen.“

Am Mittwoch, 15. Juni 2016, ist die Unterstützerseite „Freiheit für die Wisente im Rothaargebirge“ eingerichtet worden.