Wisent tot aufgefunden

Jungbulle Quincy war seit zwei Wochen vermisst / Natürliche Todesursache

Bad Berleburg, 7. April 2015. Seit dem 24. März wurde Wisent-Jungbulle Quincy vermisst. So lange war er nicht mehr bei der frei lebenden Herde des Artenschutzprojektes im Rothaargebirge zur Wiederansiedlung der vom Aussterben bedrohten Tiere gesehen worden. Dann wurde der Wisent schließlich am Ostersonntag tot aufgefunden.

Es waren Mitarbeiter der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer um Revierjäger Markus Surwehme, die den abgängigen Jungbullen fanden – und zwar unweit der Rotwildfütterung „Stockseifen“ in einem Bachlauf. Der Grad der Verwesung lässt darauf schließen, dass der Jungbulle bereits kurz nach seinem Verschwinden vor rund zwei Wochen verendet sein könnte.

Jeder Wisent trägt einen Daten-Chip im Schulterbereich. Deshalb konnte die Identität des Tieres auch rasch festgestellt werden. Jungbulle Quincy war am 22. Mai 2013 im Wisent-Wald geborenen worden als Sohn von Abdia und Egnar. Mit seinem Tod besteht die Herde im für Westeuropa einzigartigen Artenschutzprojekt jetzt aus elf Tieren.

Es ist der dritte natürliche Verlust in der freilebenden Herde. Im September 2013 war Jungbulle Quandor Opfer eines Rangkampfes innerhalb der Wisent-Gruppe geworden. Das 2012 geborene Tier wurde wahrscheinlich von Bulle Egnar so schwer verletzt, dass er von seinen Leiden erlöst werden musste. Und noch vor der Freisetzung (im damaligen Eingewöhnungsareal) war der zweijährige Bulle namens WA_75 im Dezember 2010 der Dominanz von Egnar erlegen.

Innerartliche Rangkämpfe sind in der Natur normal – und das nicht nur bei Wisenten. Die ranghöchsten Wisent-Bullen verteidigen dabei ihr Revier und ihre Stellung. Dabei erfolgt der Kampf nicht mit der Absicht den Rivalen zu töten.

„Das Artenschutzprojekt ist kein Zoo“, unterstreicht Johannes Röhl vom Vorstand des Wisent-Verein: „Deswegen ist es zwar traurig, dass wir ein Tier verloren haben. Aber ist es ist auch normal und Teil der Natur, denn wir wollen und können in das Verhalten der frei lebenden Herde praktisch nicht mehr eingreifen.“