Wittgenstein hat eine Königin

Wisent-Kälbchen hört künftig auf den Namen „Queen vom Rothaarsteig“

Hans Dieter Engeland (Mitte) erhielt aus den Händen von Lena Gruß im Namen des Wisent-Büros und Wisent-Ranger Jochen Born einen Familien-Jahresgutschein für die in der Entstehung begriffenen Wisent-Wildnis am Rothaarsteig.

Bad Berleburg, 7. September 2011.  Nach vielen Jahrhunderten ist in Wittgenstein erstmals wieder ein Wisent-Kälbchen geboren worden. An diesem historischen Ereignis haben viele Menschen großen Anteil genommen. Das Wisent-Büro hatte dazu aufgerufen, Namensvorschläge für das Neugeborene einzureichen. Die Resonanz war überwältigend. Und jetzt steht auch der Name fest: Aranetas und Egnars am 16. August 2011 geborene Tochter hört künftig auf den Namen „Queen vom Rothaarsteig“. Der Namensvorschlag „Queen“ wurde zwar gleich mehrfach eingereicht, Hans Dieter Engeland aus Menden-Lendringsen aber war der Schnellste. Deshalb erhält er als Dankeschön eine Familien-Jahreskarte für die in der Entstehung befindliche „Wisent-Wildnis am Rothaarsteig“.

Insgesamt erreichten das Wisent-Büro 543 Namensvorschläge – per Post, E-Mail, Telefon und Facebook. Die Einsendungen kamen sowohl aus der Region Wittgenstein und Nordrhein-Westfalen, als auch aus ganz Deutschland: zum Beispiel aus Niedersachsen, Baden-Württemberg, Hessen und Bayern.

Die Nase vorne hatte schließlich der 69-jährige Ruheständler Hans Dieter Engeland. Zu seiner aktiven beruflichen Zeit war er Gießereimeister, zuletzt in Heilbronn. Hans Dieter Engeland ist verheiratet und hat zwei Söhne. Der Weingenießer hat den Aufruf zum Namenswettbewerb in seiner Heimatzeitung, der Westfalenpost, gelesen. Die Namensfindung empfand er anfangs durchaus als schwierig und versuchte dann in der griechischen Mythologie fündig zu werden. „Schließlich kam mir aber die Idee mit ,Queen‘, denn das passt am besten zum Wisent als König des Waldes“, erzählt der Sauerländer. Hans Dieter Engeland erhielt aus den Händen von Lena Gruß im Namen des Wisent-Büros und Wisent-Ranger Jochen Born einen Familien-Jahresgutschein für die in der Entstehung begriffenen Wisent-Wildnis am Rothaarsteig. Zu Bad Berleburg hat er bisher noch keine Verbindung. Er freut sich aber schon jetzt darauf, dies mit einem Besuch bei den Wisenten ändern zu können.

Da die Zucht und Wiederansiedlung von Wisenten international koordiniert und in einem Zuchtbuch vermerkt wird, stand von vornherein fest: die Namen der im Wittgensteiner Artenschutzprojekt geborenen Wisente müssen alle mit „Qu “ beginnen.  Das hatte bei dem einen oder anderen Projektbeteiligten schon zu Sorgenfalten und der Frage geführt, ob so überhaupt genügend attraktive Namen gefunden werden könnten. Der Namenswettbewerb hat nun das Gegenteil bewiesen und alle Befürchtungen beseitigt. Bernd Fuhrmann, Vorsitzender des Trägervereins, sagt deshalb: „Wir waren zugleich erstaunt und erfreut über die große Resonanz aus der Bevölkerung und äußerst positiv überrascht, wie kreativ die eingegangenen Vorschläge waren. Die Beteiligung am Wettbewerb zeigt uns erneut, dass das Artenschutzprojekt zur Wiederansiedlung der Wisente eine  große und positive Aufmerksamkeit auch über die Grenzen unserer Region hinaus genießt.“

Der Name „Queen vom Rothaarsteig“ wurde schließlich von einer eigens gebildeten Wisent-Jury ermittelt. Ihr gehörten Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (für die Initiatoren und Eigentümer des Wisent-Waldes), Bernd Fuhrmann und Paul Breuer (für den Trägerverein), Dr. Jörg Tillmann (für die wissenschaftliche Begleitung), Matthias Heß (für den Förderverein) und Dr. Michael Emmrich (für die begleitende Marketingagentur) an.

Ausschlaggebend für die Jury-Entscheidung waren mehrere Kriterien. Es sollte bei der Namensgebung in erster Linie zum Ausdruck kommen, dass

  • es sich bei Geburt und Kälbchen um ein historisches Ereignis handelt
  • der Bezug zur Region erkennbar ist und
  • das Kälbchen einen individuellen Namen erhält, der die Namensgebung für weiteren Nachwuchs nicht von vornherein begrenzt.

Die Jury war sich nach intensiver und mehrstündiger Diskussion schließlich einig: „Queen vom Rothaarsteig“ erfüllt alle genannten Kriterien. Und als Erstgeborene kommt Aranetas Töchterchen ohnehin der Status einer Prinzessin zu. Da aber Wisente schnell groß werden, wurde bewusst auf eine Verniedlichungsform verzichtet. Zudem sind die Wisente als Könige des Waldes bekannt. Außerdem wird die neunköpfige Herde derzeit auf ihre Freisetzung in dem 4.300 Hektar großen Wisent-Wald vorbereitet. Die „Queen vom Rothaarsteig“ wäre dann nach hunderten von Jahren der erste in Wittgenstein geborene und am Rothaarsteig frei lebende Wisent – ein wahrhaft königliches Ereignis.